«Was lese ich?» - ein Lehrmittel über Journalismus am Puls der Zeit

Das Internet wiegt uns in einer fatalen Illusion: Wir können mittlerweile fast jede erdenkliche Information aus dem Web beziehen. Warum sollen wir also dafür bezahlen, dass Journalistinnen und Journalisten uns einen Teil davon aufbereiten und in ihren Produkten (Zeitungen, Zeitschriften, Sendungen) anbieten?

Spätestens mit der Nutzung sozialer Medien als Nachrichtenkanal ist uns klar geworden, dass ein fast grenzenloses Informationsangebot nicht mit Informiertheit gleichzusetzen ist. Die wenigsten Menschen haben die Musse oder das umfassende Hintergrundwissen, um die Seriosität jeder Information abzuklären, die sie im Web abrufen. Besonders bei Meldungen über aktuelle Ereignisse brauchen wir einen Filter, der aus belegbaren Informationen das Wichtige heraussucht und in publikumsgerechte Sprache kleidet. Dieser Filter heisst Qualitätsjournalismus.

Autor
René Oberholzer
Lesedauer
10 Minuten
Thema
Was lese ich

Die Online-Lernplattform www.was-lese-ich.ch beschreibt die Arbeitsweise des Qualitätsjournalismus, dessen Produkte und Regeln, aber auch die Herausforderungen, denen sich journalistische Medien heute stellen müssen. Die Plattform richtet sich dabei in erster Linie an die Sekundarstufe. Und weil Schülerinnen und Schüler in diesem Alter beginnen, ihren Informationsbedarf selbst zu decken und ihre Medien dabei selbst wählen, nimmt auch das Thema Desinformation einen wichtigen Platz im Lehrmittel ein.

Wir haben die Macherinnen und Macher von «Was lese ich?» nach ihrer Rolle im Projekt und den Herausforderungen bei der Produktion gefragt.

Marianne Läderach (links) und Janine Surber (rechts), Verlegerverband SCHWEIZER MEDIEN

Was ist «Was lese ich?» und welche Motivation steckt dahinter?
Wie arbeiten Journalistinnen und Journalisten? Warum braucht es sie? Wie kann ich Fake News erkennen? Solche Fragen – und viele weitere – beantwortet das kostenlose Online-Lehrmittel des Medieninstituts des Verlegerverbandes SCHWEIZER MEDIEN (VSM). Der VSM setzt sich seit über 20 Jahren mittels Unterrichtsmaterialien für die Förderung der Medienkompetenz von Jugendlichen ein. Dabei geht es darum, dass junge Menschen das Mediensystem verstehen und sich die Fähigkeiten aneignen können, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Gefragt war ein zeitgemässes Online-Lehrmittel, abgestimmt auf den 3. Zyklus (Sekundarstufe) des Lehrplans 21 im Bereich Medien und Informatik. Entstanden ist ein «super Angebot». Diesem Zitat einer Lehrperson können wir uns nur anschliessen!

Wer wirkt seitens VSM mit und was sind die Rollen?
Janine Surber (Projektmitarbeit) und Marianne Läderach (Projektleitung) sind seit Projektstart im 2020 mit dabei und nach wie vor auch für die Aktualisierung und Weiterentwicklung zuständig. Um die Bedürfnisse der Nutzenden möglichst optimal abzudecken, holen wir regelmässig Feedbacks in der Community ein, welche wir bei Anpassungen einfliessen lassen.

Weshalb hat der VSM dafür mit Somedia Learning zusammengespannt?
Weil sich die Kompetenz im Bereich von digitalen Lernmedien, die praktische Erfahrung im Schulunterricht sowie die menschliche Komponente für uns optimal ergänzt haben. Zusätzlich kann Somedia Learning auf ein grosses internes Netzwerk innerhalb von Somedia zurückgreifen, was sich bei der Projektumsetzung als sehr hilfreich und effizient erwiesen hat.

 

Markus Münch, Somedia Learning

Was ist deine Rolle bei diesem Projekt?
Ich agiere als Account Manager, Projektleiter und Berater in konzeptionellen und didaktischen Fragen bezüglich Zielgruppe. Als ehemaliger Lehrer habe ich einen engen Bezug zu Thematik und Zielgruppe.

Wo siehst du die Herausforderungen und die spannenden Aspekte in deiner Rolle?
Die Kundin hat sehr viele Ideen und Anforderungen an die Plattform. Diese müssen so kanalisiert werden, dass sie technisch umsetzbar und didaktisch sinnvoll sind. Das erfordert stetiges aktives Mitdenken und Suchen nach der optimalen Lösung. Das Produkt muss verschiedenen Zielgruppen gerecht werden:

  • Im Hinblick auf die Schülerinnen und Schüler müssen die Inhalte so attraktiv sein, dass diese Zielgruppe sich gerne mit dem Stoff auseinandersetzt und etwas lernen will. Die Sprache muss so gewählt sein, dass sich die Zielgruppe angesprochen fühlt und den Inhalt versteht.
  • Für die Lehrpersonen muss die Thematik aktuell und stufengereicht sein und in den Lehrplan passen. Optimalerweise sind die Inhalte bereits als nahezu pfannenfertige Lektionen aufbereitet, sodass möglichst wenig Aufwand zur Vorbereitung notwendig ist.
  • Für den VSM wiederum muss das gesamte Lehrmittel so attraktiv aufgemacht sein, dass die Lehrpersonen Interesse dran haben und die Thematik in ihrer Klasse behandeln.

Was gab den Ausschlag für die Wahl von WordPress als technische Plattform?
Die Anforderungen waren: Zugriff mit beliebigen Geräten, kein Login, einfach editierbar. Da mit WordPress-Plugins auch schülergerechte Interaktionen möglich sind, fiel unsere Wahl schnell auf dieses Werkzeug.

Wie geht es weiter?
Online-Lehrmittel können verhältnismässig einfach aktualisiert werden. Falls nötig, können wir zeitnah Inhalte korrigieren oder den Bedürfnissen anpassen (z.B. Desinformation zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine). Ausserdem ergänzen wir regelmässig in einem grösseren Update weitere aktuelle Inhalte.

 

René Oberholzer, Somedia Learning

Was ist deine Rolle im Projekt?
Ich verfasse den Grossteil der Lern- und Informationsmaterialien für das Lehrmittel. Das bedeutet zuerst: angeliefertes oder selbst recherchiertes Material «verdauen» und aufs Wesentliche reduzieren. Und dann: aufbereiten, sprachlich vereinfachen, medial und mit Interaktionen anreichern, Anknüpfungspunkte in der Erlebniswelt der Jugendlichen suchen (mit tatkräftiger Unterstützung von Marianne und Janine sowie Lehrpersonen von Testklassen), Arbeitsaufträge für Einzel-, Tandem- und Gruppenarbeiten entwerfen, dazugehörende Anleitungen für Lehrpersonen verfassen und und und …

Wo liegen für dich die Herausforderungen?
Ich bin zwar ausgebildeter Didaktiker, zu Beginn des Projekts war ich aber aus fachlich-inhaltlicher Sicht auch ein Laie. Da waren für mich besonders jene Inhaltsbereiche «knackig», bei denen anfänglich wenig mehr als eine Themenidee vorlag und die Recherche dazu mir oblag. Solange man noch nicht tief im Thema drin ist und die verschiedenen Querbezüge sieht, läuft man Gefahr, Gewichtungen nicht ganz treffgenau zu setzen. Durch die Unterstützung von Marianne, Janine und René Mehrmann, einer weiteren Fachperson von Somedia mit langjährigem journalistischen Hintergrund, war das aber kein Problem. Zusammen sorgen wir für die fachliche Korrektheit der Inhalte, ohne dass ihre Verständlichkeit leidet. Als besonders hilfreich erwies sich, dass uns Janine und Marianne durch ihre fundierten Kenntnisse der Medienlandschaft und durch ihre Kontakte mit tollen konkreten Beispielen (journalistische Beiträge, Videos usw.) versorgen konnten. Diese Beispiele machen die Themen von www.was-lese-ich.ch für die Schülerinnen und Schüler erlebbar und dienen oft auch als Material für Arbeitsaufträge in der Klasse.

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