Korruption – (k)ein Problem?

Die Schweiz belegt im Korruptionsranking von Transparency International mit 84 von 100 möglichen Punkten Rang 7. Ein Wert von 100 bedeutet, dass keine Korruption wahrgenommen wird, ein Wert von 0 bedeutet ein Höchstmass an Korruption. 84 Punkte, das ist ein guter Wert. Die 16 fehlenden Punkte bedeuten aber, dass korruptes Verhalten auch in der Schweiz stattfindet. Und: Im Jahr davor waren wir noch auf Rang 3, mit 85 Punkten. Wird korruptes Verhalten publik, hat das Konsequenzen, von Reputationsverlust über Geld, bis hin zu Gefängnisstrafen. Reputationsverlust ist besonders für Unternehmen fatal. Daher ist Prävention umso wichtiger. Auch für die Migros-Gruppe, die u. a. auf die digitale Wissensvermittlung setzt.

Autor
Simon Knoth
Lesedauer
10 Minuten
Thema
Korruption

Die scheinbare Win-Win-Situation

Als Korruption gilt jeder Missbrauch einer Vertrauensstellung zur Erlangung eines ungerechtfertigten Vorteils. Unter Korruption fällt dabei das Verhalten beider Seiten: Der Person, welche ihre Vertrauensstellung missbraucht, und der Person, die dafür einen nicht gebührenden Vorteil einräumt.

Korruptes Verhalten wie zum Beispiel Bestechung und Vorteilsgewährung stellt für Unternehmen eine grosse Herausforderung dar. Oft hängt viel davon ab, ob eine Ausschreibung gewonnen, eine Bewilligung erteilt oder ein Vertrag abgeschlossen wird. Die Idee, «dem Schicksal auf die Sprünge zu helfen», führt da so manche(n) in Versuchung.

Hinzu kommt, dass bei korruptem Verhalten auf den ersten Blick oft kein direkter Schaden oder ein Opfer erkennbar ist. Vielmehr führt das Verhalten scheinbar für alle Beteiligten zu einer Win-Win-Situation. Ein Beispiel:

Ein Bauunternehmen besticht den Gemeinderat, damit er ihm den Auftrag für den Bau eines Schulhauses erteilt. Dabei profitieren beide: Die Gemeinde hat weniger Aufwand und schneller ein neues Schulhaus. Der Bauunternehmer hat einen sicheren Grossauftrag. Passt doch, oder?

Nein. Denn was ist, wenn aufgrund der Bestechung nicht das beste Bauunternehmen gewählt wurde? Wer trägt den Schaden? Richtig, die Gemeinde und somit die Steuerzahler. Und schon wird aus Win-Win Win-Lose.

 

Unternehmen können für korrupte Mitarbeitende haften

Korruption hat zahlreiche Facetten. Allen gemeinsam ist, dass sie hohe wirtschaftliche und gesellschaftliche Kosten verursachen. Entsprechend finden sich Bestimmungen zur Bekämpfung von Korruption in der gesamten Rechtsordnung der Schweiz. Die Regelungen werden stetig verschärft, was früher als Kavaliersdelikt galt, wird heute häufiger verfolgt und strenger bestraft. Bestechung zwischen Privatpersonen und Amtsträgern wird zum Beispiel mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren, Bestechung unter Privatpersonen mit drei Jahren und/oder hohen Geldbussen bestraft.

Aber nicht nur natürliche Personen haften. Bei Bestechung kann auch das Unternehmen haftbar gemacht und bestraft werden. Gemäss Art. 102 StGB kann sich ein Unternehmen in zwei Fällen für Korruptionstaten natürlicher Personen (sprich seiner Mitarbeitenden) strafbar machen:

  1. Wenn ihm vorzuwerfen ist, dass es nicht alle erforderlichen und zumutbaren organisatorischen Vorkehrungen getroffen hat, um eine Korruptionstat zu verhindern.
  2. Wenn eine Korruptionstat wegen mangelhafter Organisation des Unternehmens keiner bestimmten natürlichen Person zugerechnet werden kann.

Ein Korruptionsskandal kann für ein Unternehmen fatale Folgen haben. Neben hohen Kosten, die dem Unternehmen verursacht werden, leidet dessen Reputation schwer. Ein einziger Korruptionsskandal kann den guten Ruf innert kürzester Zeit ruinieren. Daher gilt es, Massnahmen zu ergreifen, damit es nicht zu (un-)beabsichtigtem korruptem Handeln kommt. Eine Massnahme ist, die Mitarbeitenden zu schulen und ihnen eine Richtschnur für integres und transparentes Handeln zu geben. Und genau das macht das grösste Detailhandelsunternehmen der Schweiz – die Migros.

 

Wissen verbreiten: digital, verständlich und praxisnah

Die Grundhaltung der Migros-Gruppe zum Thema Korruption ist im Verhaltenskodex verankert. Der Auszug zum Thema Korruption sieht wie folgt aus:

Das tönt gut, ist aber noch wenig greifbar. Allein der Satz «Einzelne geringfügige und geschäftsübliche Höflichkeitsgeschenke oder Einladungen können wir ausnahmsweise akzeptieren.» enthält mehr Fragezeichen als Antworten. Oder wissen Sie, wie die Begriffe «geringfügig», «geschäftsübliche» und «ausnahmsweise» verstanden werden sollen? Eben.

Eine Broschüre reicht nicht aus, um das Thema so zu vermitteln, dass die Mitarbeitenden das Thema und dessen Relevanz verstehen und das Gelernte anwenden können. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit dem Migros-Genossenschafts-Bund eine Online-Schulung konzipiert und realisiert, die aus einem wissensvermittelnden Teil – dem Lernprogramm – und einem Online-Test besteht.

 

Aufbau und Umsetzung des Lernprogramms

Ein attraktiver Einstieg in ein Lernprogramm ist wichtig, um die Aufmerksamkeit der Lernenden zu wecken und die Relevanz des Themas zu verdeutlichen. Das geschieht hier, indem der Verhaltenskodex in einem attraktiven Video vorgestellt wird:

Nach dem einleitenden Teil werden im Lernprogramm vier Themenbereiche behandelt:

  1. Unerlaubte Verhaltensweisen
  2. Geschenke und Einladungen
  3. Korruption international
  4. Anlaufstellen

Um diese oft abstrakten Zusammenhänge und Konstrukte so greifbar wie möglich zu machen, haben wir mit fiktiven, aber realistischen Alltagsbeispielen gearbeitet. Anhand dieser werden Probleme, Konsequenzen und richtiges Handeln aufgezeigt.

Das sieht dann zum Beispiel so aus:

 

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

Um sich als Unternehmen optimal zu schützen, reicht das alleinige Verbreiten eines Lernprogramms zum Thema «Korruptionsprävention» nicht aus. Im Ernstfall muss nachgewiesen werden können, dass die Mitarbeitenden dieses absolviert und die Inhalte verstanden haben. Das geschieht in diesem Schulungsszenario anhand eines ausgeklügelten Online-Tests direkt auf der Lernplattform: Darin müssen die Mitarbeitenden verschiedene Fälle beurteilen und korruptes Verhalten erkennen. Die Testergebnisse können von den Verantwortlichen schnell und einfach eingesehen werden.

Korruption ist ein internationales Thema

Korruption muss trotz der Verschiedenheit von Kulturen und Traditionen weltweit bekämpft werden. Da die Migros ein international tätiges Unternehmen ist und unter anderem auch Büros in Hong Kong hat, kam es bei diesem Projekt für uns zu einer Premiere: Wir erstellten eine chinesische Version des Lernprogramms. Und da haben wir dann wirklich nur im übertragenen Sinne Chinesisch verstanden!

Ist Korruption ein Thema in Ihrem Unternehmen?

Wenn auch Sie Ihre Mitarbeitenden mit digitalen (Lern-)Massnahmen auf das Thema aufmerksam machen möchten, so melden Sie sich unverbindlich bei mir.

simon.knoth@somedia.ch
043 477 88 11

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