So können Sie die extrinsische (Lern-)Motivation steigern

Was intrinsische Motivation ist und wie sie bei der Erstellung von digitalen Lernmedien berücksichtigt werden kann, haben Sie bereits in diesem Beitrag erfahren. Mit der Förderung der intrinsischen Motivation allein ist es aber noch nicht getan. In vielen Bereichen unseres Lebens spielt auch die extrinsische Motivation eine wichtige Rolle, denn manchmal tun wir Dinge nur deren Konsequenzen wegen. Viele kennen es vom Sport: Wir gehen ins Fitnessstudio, damit wir ohne schlechtes Gewissen unsere Lieblingskekse futtern können. So kann das auch beim Lernen sein: Wir machen eine Weiterbildung, weil wir dann ein weiteres Argument für eine Lohnerhöhung haben. Was extrinsische Motivation ist und wie diese im Lernkontext beeinflusst werden kann, lesen Sie in diesem Blogbeitrag.

Autorin
Simone Pauli
Lesedauer
5 Minuten
Thema
Extrinsische Motivation

Anreize, ein Booster unseres Handelns

Wer kennt’s nicht: Hausarrest, Fernseh- oder Handyverbot, Zeugnisgeld (natürlich nur für gute Noten!), ein Spielzeug oder Plüschtier oder länger wach bleiben dürfen – bereits in unserer Kindheit war die extrinsische Motivation ein ständiger Begleiter. Auch wenn uns inzwischen niemand mehr ein Fernsehverbot verhängt und wir schon lange selbst bestimmen können, wann wir zu Bett gehen: Die extrinsische Motivation ist auch heute noch präsent. Was sich verändert hat, sind die Anreize.

Egal ob durch finanzielle, materielle oder emotionale Anreize – es fällt uns grundsätzlich leichter, etwas zu tun, wenn wir dafür belohnt werden oder wir mit unserem Verhalten eine Bestrafung vermeiden können. Wir bilden uns weiter, um einen höheren Lohn zu erhalten. Wir belohnen Kinder mit einer kleinen Süssigkeit oder einem Spielzeug, wenn sie dafür anständig sind. Wir halten uns an die Verkehrsregeln, um eine Busse zu vermeiden.

Und genau diese Anreize beeinflussen unsere extrinsische Motivation.

 

Unser Mot(ivat)or

Die Motivation ist der menschliche Motor: Sie treibt uns an, etwas zu tun. Und dieser menschliche Motor besteht aus zwei verschiedenen Teilen.

  1. Intrinsische Motivation: Wir sind aus eigenem Antrieb motiviert, die Motivation kommt von innen.
  2. Extrinsische Motivation: Wir sind durch äussere Anreize motiviert, wir tun etwas (resp. unterlassen etwas), um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Bestrafung, Belohnung (materiell vs. immateriell) und Anerkennung sind wichtige Quellen extrinsischer Motivation.

  • Soziale Anreize: Anerkennung, Beliebtheit, jemandem einen Gefallen tun, Wettbewerb. Beispiel: Sie besuchen neue Orte, weil Sie die Bilder auf Instagram posten wollen.
  • Materielle und finanzielle Anreize: Gehalt, beruflicher Status, Geschenk. Beispiel: Sie besuchen eine Weiterbildung, weil Sie danach Anspruch auf einen höheren Lohn haben.

 

Das Ziel ist das Ziel

Extrinsisch motivierte Personen tun etwas, weil sie ein bestimmtes Ergebnis oder ein bestimmtes Ziel erreichen möchten. Anders als bei intrinsisch motivierten Personen stimmen Mittel und Zweck nicht überein – sie tun etwas nicht aus Interesse oder Spass, sondern weil sie dafür belohnt oder bestraft werden.

Diese Belohnungen bzw. Bestrafungen können sowohl von sich selbst («Wenn ich heute joggen gehe, gönne ich mir morgen meine Lieblingspizza») als auch von Drittpersonen («Wenn du zu schnell fährst, erhältst du eine Busse») ausgehen.

 

Was heisst das für den Lernkontext?

> Begründung
Es ist wichtig, dass die User:innen wissen, warum sie eine interne Weiterbildung besuchen oder ein WBT absolvieren müssen. Müssen sie das Training machen, um eine Lizenz zu erhalten? Warum ist die Schulung des Themas für das Unternehmen wichtig? Was könnte passieren, wenn die Mitarbeitenden nicht geschult sind? Die User:innen möchten ihre Berechtigungen erhalten und Sanktionen vermeiden.

> Anerkennung der Leistung
Mit Zertifikaten, Nachweisen oder sichtbaren Erfolgen innerhalb eines WBT oder eines Kursraums kann die extrinsische Motivation ebenfalls gefördert werden. Denn: Belohnungen steigern die Motivation.

> Feedback
Übungen machen den Lernstoff greifbar. Feedback ist das A und O. Die User:innen wissen jederzeit, woran sie sind und können sich so nicht nur laufend verbessern, sondern sie können mit belohnendem Feedback zusätzlich motiviert werden.

> Wettbewerb / sozialer Vergleich
Spieltypische Elemente wecken den Ehrgeiz. Fortschrittsbalken, die den Lernfortschritte visualisieren oder die Vergabe von Punkten verdeutlichen das bisher Erledigte und geben den User:innen einen Anhaltspunkt über das Können – so entsteht die Challenge, sich selbst zu verbessern.

> Zusammengehörigkeitsgefühl
Gemeinsames Lernen macht Spass. Gerade in einem Kursraum auf einer Lernplattform bieten sich hier viele Austauschmöglichkeiten. Die User:innen können anderen helfen und ihre eigene Kompetenz unter Beweis stellen, sie können sich als Expertinnen und Experten positionieren.

> Zeitlimite
Eine sichtbare Zeitlimite, z. B. in Form einer tickenden Uhr, weckt den Spieltrieb und fördert somit die extrinsische Motivation der User:innen.

 

Von extrinsisch zu intrinsisch

Um unsere Ziele langfristig zu erreichen, ist es entscheidend, dass wir selbst von der Handlung und ihrem Ergebnis überzeugt sind. Gemäss Deci & Ryan kann sich die extrinsische Motivation verinnerlichen, sie dient gewissermassen als Katalysator für die intrinsische Motivation.

Dabei werden vier Phasen durchlaufen:

  1. Externale Regulation: In dieser Phase ist die Motivation nur durch äussere Anreize geschaffen. Es geht darum, eine Belohnung zu erzielen oder eine Bestrafung zu umgehen. Diese Form der Motivation bleibt meistens nur kurz bestehen.
    Beispiel: Ich absolviere das Online-Training, weil ich ansonsten einen Kompetenzbereich verliere.
  1. Introjizierte Regulation: In der zweiten Phase entsteht die Motivation durch gesellschaftliche und sozialisierte Faktoren. Das heisst: Wir sind nach wie vor nicht von der Handlung überzeugt, führen sie aber aus, weil wir uns gesellschaftlichen Konventionen unterordnen und Erwartungen erfüllen möchten.
    Beispiel: Ich absolviere das Online-Training, weil es von mir erwartet bzw. verlangt wird.
  1. Identifizierte Regulation: In der zweitletzten Phase liegt das Ziel zwar noch ausserhalb der Handlung, die Person kann sich aber mit der Zielsetzung identifizieren. Der Unterschied zur vorherigen Phase: Man schätzt nicht mehr nur das Ergebnis, sondern auch die Tätigkeit an sich.
    Beispiel: Ich absolviere das Online-Training, weil ich das Thema relevant finde.
  1. Integrierte Regulation: Das Verhalten ist in der vierten und letzten Phase nun gänzlich mit der eigenen Überzeugung vereinbar. Das heisst, die anfänglich externe Zielsetzung wurde in das eigene Selbstkonzept integriert.
    Beispiel: Ich habe gemerkt, dass ich das Wissen im Alltag nutzen kann und mache das nächste Online-Training, weil ich es will.

Der Unterschied der integrierten Regulation zur intrinsischen Motivation: Statt aus reiner Freude an der Tätigkeit, wirkt diese Art der Regulation, weil die Person erkannt hat, wie wichtig die Tätigkeit für die Erreichung bestimmter Ziele ist. Gemeinsam bilden die integrierte Regulation und die intrinsische Motivation die Grundlage des selbstbestimmten Handelns.

 

Wieso Aktionen und Online-Trainings extrinsische Motivation nutzen sollten

Nicht umsonst arbeiten viele Psychologinnen und Psychologen im Bereich «Consumer Behavior». Die Konsumentenpsychologie setzt sich mit dem Verhalten von Konsumentinnen und Konsumenten auseinander, und hier spielt die extrinsische Motivation ebenfalls mit rein. Denn Konsumentinnen und Konsumenten extrinsisch zu motivieren und diese Motivation dann zu verinnerlichen, das ist auch das Ziel von Aktionen. Man kauft ein Produkt, weil es billiger ist. Bei der Anwendung bzw. der Verwendung des Produkts merkt man dann, dass das Produkt gut ist und kauft es schliesslich auch zum regulären Preis.

Dieser Effekt kann auch für das Absolvieren von Online-Trainings genutzt werden. Denn wer merkt, dass das Training, das er resp. sie machen muss, nicht nur für den Alltag hilft, sondern auch noch Spass macht, der/die wird das nächste Training umso lieber absolvieren. Versprochen!

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