3 didaktische Elemente, die Ihr Lernprogramm noch besser machen

Die Themen, welche in Lernprogrammen behandelt werden, sind ganz unterschiedlich: Von Schulungen zu Sicherheitsbestimmungen an Flughäfen über Erste Hilfe und IT-Regeln bis hin zu Leadership-Themen. Allen gemeinsam ist, dass komplexe Sachverhalte so aufbereitet werden sollen, dass die User:innen sie nach Abschluss des Lernprogramms kennen, erklären und/oder anwenden können. Hier kommen wir ins Spiel: Unser tägliches Brot ist es, die Inhalte verständlich, zielgruppengerecht und attraktiv aufzubereiten. In diesem Beitrag teilen wir drei Must-Haves, die sich in den letzten Jahren bei der didaktischen Aufbereitung der Lerninhalte bewährt haben. Aber zuerst: Merken Sie sich die Nummer «079 253 68 12».

Autorin
Simone Pauli
Lesedauer
5 Minuten
Thema
Didaktik

Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg

Viele haben beim Absolvieren eines Lernprogramms nur ein Ziel: Sie wollen (resp. müssen) den Abschlusstest bestehen. Die User:innen so zu informieren, dass sie ein «bestanden» vorweisen können, ist natürlich auch eins unserer Ziele. Um sie von Beginn an möglichst gut darauf vorzubereiten und ihren Blick zu schärfen, nennen wir am Anfang eines Lernprogramms konkrete Lernziele.

Diese sagen den Userinnen und Usern genau, was sie nachher wissen, zeigen oder erklären können müssen – sie setzen Anker und leiten durch das Lernprogramm. Dass wir sie zu Beginn nennen, hat neben dem strukturellen auch einen kognitiven Hintergrund: den Primacy-Effekt. Dieser besagt, dass man sich an früher eingehende Informationen besser erinnert, als an später präsentierte. Testen Sie sich gerade selbst: Was wissen Sie noch von der Nummer, die in der Einleitung stand? Die Vorwahl 079? Voilà, der Primacy-Effekt. Vielleicht wissen Sie auch noch den Schluss 12? Das wäre dann der Recency-Effekt, dazu später mehr.

Aber Achtung: Lernziel ist nicht gleich Lernziel. Oft bleiben Lernziele ungenau, etwa: «Du weisst, wie du einen Antrag auf YZ stellst» oder «Kennst du die gesetzlichen Grundlagen für XY». Gute Lernziele sind dagegen:

  • konkret (umsetzbar in konkrete Handlungen)
  • messbar (mit sinnvollen Methoden erreichbar und mit klaren Kriterien überprüfbar)
  • relevant (offensichtlich nützlich für den Arbeitsalltag)
  • realistisch (aufbauend auf Vorwissen, das man erwarten darf und mit vernünftigem Aufwand erreichbar)

Die Anzahl der Lernziele hängt vom Umfang des Lernangebots ab. Sie lassen sich meist aus den Teilschritten ableiten, die zu einer Zielerreichung nötig sind. Wählen Sie bei der Formulierung von Lernzielen Verben, die konkret und messbar beschreiben, was die User:innen tun oder können müssen, um die Einzelschritte zu absolvieren. Etwa:

  • Du ermittelst mit der Berechnungsgrundlage XY den korrekten Betrag für deinen Antrag.
  • Du kannst die drei Beilagen benennen, die du mit dem Antrag einreichen musst.
  • Du findest das passende Antragsformular für XY im Ablagesystem, füllst es korrekt aus und sendest den Antrag an die richtige Stelle.

Der berühmt-berüchtigte Abschlusstest

Da steht er, am Ende eines fast jeden Lernprogramms: Der Abschlusstest. In den meisten Fällen wird er von Unternehmen ge- und von Lernenden verwünscht. Er dient einerseits der Repetition von Inhalten und somit der Festigung von Wissen, andererseits aber auch als klassische Lernkontrolle bzw. als Leistungsnachweis.

Aus didaktischer Sicht bietet ein Abschlusstest den Userinnen und Usern wie auch dem Unternehmen einen grossen Mehrwehrt:

  • User:innen sehen, wo sie noch Wissenslücken haben und können diese schliessen. Manchen hilft das Wissen, dass am Ende ein Test folgt, sich während des Vermittlungsteils besser zu konzentrieren.
  • Unternehmen erhalten einen Nachweis darüber, wer das Lernprogramm absolviert hat. Die Auswertung z. B. über eine Lernplattform (LMS) ermöglicht Einblicke in systematische Wissenslücken. Darauf könnten sie reagieren.

Wichtig bei Abschlusstests ist, dass nur Wissen abgefragt wird, welches vorgängig vermittelt wurde. Idealerweise erhalten die User:innen nach jeder Frage ein Feedback, ob die Antwort korrekt war. So sehen sie jederzeit, wo sie stehen.

Zentral beim Abschlusstest ist übrigens auch die Formulierung der Fragen und die Verwendung von passenden Frageformen (Multiple Choice, Hotspot etc.).

So wenig wie möglich, so viel wie nötig

Oft erhalten wir Berge von Unterlagen und Informationen, welche geschult werden müssen. Innert kürzester Zeit sollen aus Anfängerinnen und Anfängern Expertinnen und Experten werden – und das ist unmöglich. Denn eine geballte Ladung an Informationen kann nicht nur geübte User:innen schnell überfordern. Es gilt, eine Balance zwischen den Ansprüchen der Unternehmen und der Aufnahmefähigkeit der User:innen zu finden.

Neben einer sinnvollen didaktischen Reduktion der Inhalte (wichtiges kommt rein – unwichtiges raus) hat es sich bewährt, am Ende des Lernprogramms nochmals «Das Wichtigste in Kürze» aufzulisten. Das heisst dann «Zusammenfassung», «Merke dir», «Fazit» oder so ähnlich.

Der Grund: Übersicht, Wiederholung und Recency-Effekt. Wie bereits angetönt zeigen Gedächtnisstudien auf, dass zuerst und zuletzt wahrgenommene Informationen besser haften bleiben. Daher sollten am Ende die wichtigsten Informationen wiederholt werden. Zu diesem Artikel könnte «Das Wichtigste in Kürze» zum Beispiel so aussehen:

Drei Must-Haves für ein noch besseres Lernprogramm

  • Zu Beginn Orientierung schaffen mit Lernzielen (konkret, messbar, relevant, realistisch).
  • Das Wissen in einem Abschlusstest prüfen. So können Inhalte repetiert und Wissenslücken aufgezeigt werden.
  • Am Schluss die wichtigen Inhalte kurz und knackig zusammenfassen.

Mit diesen drei Must-Haves haben wir, die Unternehmen und – wie die «Abschlusstest-bestehens-Quote» zeigt – auch die User:innen in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen gemacht.

Natürlich braucht es für ein gutes Lernprogramm mehr als diese drei didaktischen Anker. Weitere wichtige Punkte sind z. B. die Aktivierung der User:innen, die Praxisrelevanz oder das Design. Darüber berichten wir gerne in einem nächsten Blogbeitrag.

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